Lernen mit allen Sinnen - Das fächerübergreifende Lernsystem Myrtel und Bo
Die Schülerinnen und Schüler der 4a an der Schule Schimmelmannstraße gehören zu den Pilotklassen des neu entwickelten "multisensuellen Leistungssystems Myrtel und Bo für die gesamte Grundschulzeit". In diesem ganzheitlichen Lehrkonzept werden die Kinder unter Einsatz aller Sinne an den Lerngegenstand herangeführt, denn, so das Credo des Entwicklerteams von Myrtel, durch das Ansprechen möglichst vieler Sinne werden besonders nachhaltige Lernergebnisse erzielt.
Die Kinder der 4 a beschäftigen sich mit dem Element Wasser. Hier findet allerdings kein Sach-, sondern Deutschunterricht statt, denn hier lernt eine Myrtel-Klasse. Wenn man den Klassenraum betritt, befindet man sich sogleich im Zauberwald. Von der Decke baumeln goldene Blätter und Sterne, die Seitenwände sind bevölkert von Gemälden bunt gefiederter Vögel, neben der Tafel wölbt sich der große Buchstabenbaum und daneben haben Myrtel und Bo und alle anderen Kreaturen des Zauberwaldes ihren Platz. Myrtel ist ein bunter Schmetterling, ihr Kollege Bo ein blauer Zaubervogel und beide haben die Kinder von der ersten Klasse an beim Lernen begleitet. "In der ersten Klasse sind die Kinder gemeinsam mit Myrtel allen Tieren des Zauberwaldes begegnet und haben dabei spielerisch Lesen und Schreiben gelernt", erklärt Brigitte Hilbert, Klassenlehrerin der 4a. "Gezielte Hörübungen, das Malen und Gestalten oder Singen und Musizieren gehörten dabei ebenso zum Unterrichtskonzept wie Bewegungsspiele."
Anschließend haben die Kinder in den nächsten beiden Schuljahren ebenso spielerisch mit Myrtel und Bo den Jahreszyklus durchgenommen und dabei gleichzeitig den Umgang mit Texten geübt sowie eine "Schatzsuche" durch sieben Länder und Kulturen Europas unternommen.
Nun, in Klassenstufe vier sind die vier Elemente dran, die mit der Arbeitskartei-Methode erkundet werden, wobei die Schülerinnen und Schüler gleichzeitig das selbstständige Arbeiten erlernen. Damit flexibel und individuell gearbeitet werden kann, erhält jedes Kind eine eigene Kartei. Jedem Element ist dort ein Lernabschnitt gewidmet, dem drei Unterthemen zugeordnet sind. Beim Wasser lauten die Unterthemen: 1. Rund um das Wasser, Flüsse und Seen (hier werden die Grammatikthemen Nomen, Subjekt und Prädikat und die Doppelkonsonanten im Bereich Richtig schreiben gelernt), 2. Unterwasserwelten (Dativ- und Akkusativobjekt, Auslautverhärtung), 3. Schiffe (das oder dass, adverbiale Bestimmungen, wörtliche Rede).
"Auf den Karteikarten gibt es Geschichten, die lesen wir und beantworten dann die Fragen dazu, die unten auf dem Blatt stehen", erklärt Lena und Stephan fügt hinzu: " Dabei lernen wir Deutsch, z.B. den Genitiv und die anderen Fälle und auch Sachunterricht, weil wir was über den Wassertropfen erfahren". Auch Max, Nadia und Alena beschreiben genau, wie ihre Arbeit mit der Kartei über die vier Elemente funktioniert. "Auch Kunst gehört zu der Myrtel-Kartei", erklären sie, "weil wir Wasservögel malen".
Dass sie auf neue Weise lernen, ist ihnen dabei allerdings nicht bewusst. "Für sie ist diese Form des integrierten Lernens normal", erklärt Brigitte Hilbert, "sie kennen es ja nicht anders. Aber die Verbindung von emotionalem und kognitivem Lernen bei Myrtel und Bo erzeugt eine hohe Motivation und diese Kinder zeigen erstaunlich gute Leistungen in allen Lernbereichen."
Für einige Eltern, die auch Kinder in Klassen mit herkömmlicher Fächereinteilung haben, ist ebenfalls ein deutlicher Unterschied im Lernverhalten der Myrtel-Kinder wahrnehmbar. "Die Schreibfreudigkeit ist deutlich höher", berichtet Katrin Dovidat, Mutter einer Myrtel-Schülerin aus der 4a, "und die Kinder haben bei Myrtel nicht das Gefühl Pflichten zu erfüllen. Sie sind viel motivierter und interessierter, vor allem durch die fantasievollen Geschichten."
Über eine gute Wahrnehmung der Sprache funktioniere auch das Erlernen der Grammatik leichter, beobachtet die dreifache Mutter, vor allem, wenn die Grammatik in eine interessante Geschichte eingebunden sei. "Bei meinem Sohn, der noch mit klassischer Fächereinteilung lernt, werden die Inhalte nüchterner und nach meinem Empfinden für Kinder oft uninteressanter angeboten."
Für Brigitte Hilbert, die 25 Jahre Berufserfahrung als Lehrerin hat, ist das Myrtelkonzept jedenfalls ein Riesenschritt in Richtung kindgerechte Unterrichtsentwicklung. "Der natürliche Forschergeist und die Wissbegierde der Kinder werden durch Myrtel sinnvoller angesprochen, als bei den Unterrichtskonzepten, mit denen ich in der Vergangenheit gearbeitet habe", berichtet sie. Ihre Erfahrungen aus dem Unterricht mit diesem ganzheitlichen Lernkonzept meldet sie außerdem regelmäßig an das Myrtel-Entwicklerteam zurück. So kann es laufend fortgeschrieben und den Lernbedürfnissen der Kinder angepasst werden.
"Ich beobachte jedenfalls", schwärmt Brigitte Hilbert, "dass die Kinder mehr mit dem Herzen bei der Sache sind, und was man mit dem Herzen lernt, vergisst man nie." Und so sind die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a, deren Grundschulzeit nun vorüber ist, gut gerüstet für die weiterführenden Schulen. (tat)
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